Die deutsche Presse hat ein neues Wort gelernt: Abgehängtes Prekariat lautet nun der politisch korrekte Begriff für die neue Unterschicht, die man kürzlich in einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgemacht haben will. 8 Prozent der Deutschen sollen dieser neuen sozialen Kaste angehören, Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau, die weder Chancen, noch Motivation für einen sozialen Aufstieg haben.
In der Politik geht derweil das Fingerzeigen los. »Wir haben den Menschen vorgegaukelt, dass mit Fordern und Fördern jeder den ersten Arbeitsmarkt erreichen kann«, so der SPD-Fraktionsvize Stefan Hilsberg, der die Hartz-IV-Politik als Lebenslüge bezeichnet. Einen konstruktiven Lösungsvorschlag für das Problem konnte ich noch nicht ausmachen. Natürlich ist die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich und die dadurch entstehenden Konflikte eines der grossen gesellschaftlichen Probleme. Aber handelt es sich hier wirklich um ein neues Phänomen? Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, die man gerne als »sozialen Brennpunkt« bezeichnet, und schon immer gab es dort Menschen ohne Bildung, ohne Zukunft und ohne Bereitschaft, daran etwas zu ändern. Wir haben die früher einfach Asis genannt. Wie bezeichnet man denn jetzt die Angehörigen dieser Schicht? Wenn jemand, der dem Proletariat zugerechnet wird, ein Prolet ist, spricht man bei einem neuen Unterschichtler von einem Prekar?
Prekariat: Neues Wort für ein altes Problem?
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