Als der erste Ausläufer der Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt Europa erreichte, konnte das wahre Ausmaß noch nicht erahnt werden. Alles begann mit der Meldung über eine eventuell bevorstehende Insolvenz der deutschen Mittelstandsbank IKB, die sich mit riskanten Immobilienkrediten in den USA verspekuliert hatte. Aufgrund von drohenden Verlusten in Milliardenhöhe wollte die Deutsche Bank die Kreditlinien der IKB nicht verlängern. Um die bevorstehenden Pleite der Bank und damit verbundene negative Auswirkungen auf weite Teile des deutschen Bankensystems zu verhindern, kamen der Chef der deutschen Bankenaufsicht, Jochen Sanio, die Chefin der KfW-Bank, Ingrid Matthäus-Maier, Finanzminister Peer Steinbrück und der Chef der deutschen Bank, Josef Ackermann, zur Vereinbarung von Rettungsmassnahmen zusammen. Laut Bankenaufseher Sanio drohte gar die “größte Bankenkrise seit 1931″. Zur Verhinderung dieses Crashs wurde vereinbart, dass die bundeseigene KfW-Bank, welche mit 38 Prozent Unternehmensanteilen gleichzeitig Aktionär der IKB-Bank ist, für Kredite in Höhe von 8,1 Milliarden Euro bürgen soll. Des Weiteren wurde eine Verlustübernahme von 3,5 Milliarden Euro durch die KfW, Privatbanken und Sparkassen in Aussicht gestellt. Die Rettung der IKB ist für die Stabilität des gesamten Finanzsystems von immenser Bedeutung, da die Pleite einer mittelgrossen Bank, die hohe Geschäfte mit Risikokrediten tätigt, eine Vielzahl an negativen Folgen nach sich ziehen kann. Wenn ein solcher Kredit als Folge der Insolvenz verkauft werden muss, schlägt sich das auf die Preise nieder. Dies hat indirekt auch Einfluss auf die Darlehen von anderen Banken, da bei möglichen Verkäufen der Preisdruck grösser ist, was sich widerrum negativ auf den Wert der Darlehen niederschlägt. Die Furcht eines Dominoeffekts, das weite Teile des deutschen Finanzwesens erfassen könnte, trieb die Beteiligten zu diesem entschlossenen Rettungspaket für die IKB.
Weiterlesen →